nachhaltige Bewirtschaftung und Beweidung mit Kühen
Ackerfläche vor der Umwandlung in Grünland
Gefährdete Tier- und Pflanzenarten finden in den Niederungen des Flüsschens Grenzaa einen geeigneten Lebensraum
Ziele des Projektes:
Idee des Projektes ‚Grenzarche’ ist die Wiederherstellung von Elementen der
Kulturlandschaft, in denen bedrohte Wildtiere und -pflanzen einen Lebensraum finden. In der ausgeräumten Niederungslandschaft des Flüsschens Grenzaa entlang der deutsch-niederländischen Grenze
sollen extensiv bewirtschaftete Grünlandflächen für die dort noch vorkommenden Wiesenvögel (Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Kiebitz, Bekassine, Austernfischer) geschaffen und durch Beweidung
dauerhaft erhalten werden.
Durch die nachhaltige Bewirtschaftung entstehen nährstoffärmere Grünlandstandorte auf denen sich artenreiche Lebensgemeinschaften ansiedeln können. Pflanzenarten wie die Sumpfdotterblume, das
Wassergreiskraut, der Wiesensegge, Sumpfblutauge und Kuckuckslichtnelke werden sich wieder einfinden, dazu die entsprechenden Blütenbesucher aus der Insektenwelt. Zudem wird der Nährstoffeintrag
in das Fließgewässer Grenzaa reduziert, was zu einer Verbesserung der aquatischen Biotopfunktionen führt.Die Verminderung von Nährstoffeinträgen erfüllt auch das Ziel eines nachhaltigen
Bodenschutzes. Die natürlichen Funktionen des Bodens als Lebensraum und Bestandteil des Naturhaushaltes mit seinen Wasser- und Nährstoffkreisläufen aber auch mit seinen Filter-, Puffer- und
Stoffumwandlungseigenschaften werden gesichert und verbessert. Es findet eine Verminderung der Bodenbelastung im Sinne eines vorsorgenden Bodenschutzes statt. Somit wird das Projekt zusätzlich
den Ansprüchen der EU- Wasserrahmenrichtlinie gerecht. Diese hat zum Ziel, dass sich die Oberflächengewässer und das Grundwasser in einem guten ökologischen Zustand befinden und eine
Verschlechterung des Zustandes verhindert wird.
Die Bewirtschaftung der Flächen durch einen Landwirt gibt ein gutes Beispiel für die nachhaltige Nutzung ökologisch wertvoller Lebensräume. Nicht zuletzt liefert die extensive Grünlandnutzung
einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer reich strukturierten Kulturlandschaft mit einem hohen Erlebnis- und Erholungswert für den Menschen.
Projektbeschreibung :
Der Projektname "Grenzarche" ist eine Verschmelzung des Gewässernamens Grenzaa und der Idee der Arche: Erhaltung bedrohter Arten.
Auf einer Fläche in der Größe von ca. 10 ha in der Aue der Grenzaa ist eine extensive Grünlandnutzung eingerichtet und auf Dauer sichergestellt.
Zu diesem Zweck sind entsprechende Flächen durch den NABU Grafschaft Bentheim mit Unterstützung der Niedersächsischen Lotto-Stiftung erworben worden.
Durch aktive Beteiligung des Landkreises und der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim sowie der GLL-Behörde aus Meppen konnte dieses Projekt umgesetzt werden.
Nach dem Kauf der Flächen erfolgte die Umstellung von der bisher intensiven in eine extensive landwirtschaftliche Nutzung unter anderem durch eine entsprechende
Einsaat und die Einzäunung der Flächen. Zur Verbesserung der Habitatstruktur für die Wiesenvögel wurden außerdem einige Mulden angelegt
Die nachhaltige Flächenbewirtschaftung wird durch eine sinnvolle Kombination von Mahd und Beweidung, durch eine begrenzte Anzahl an Weidetieren,
den Verzicht auf Entwässerungsmaßnahmen und durch Einschränkungen bei den Bearbeitungsmaßnahmen (Düngung, Mahd, maschinelle Bearbeitungen) sichergestellt.
Ein ortsansässiger Landwirt hat sich als Kooperationspartner des Projektes zur Verfügung gestellt und sich bereit erklärt
die fachgerechte Pflege und Bewirtschaftung zu übernehmen.
Ein naturschutzfachliches (botanische u. avifaunistisches) Monitoring in Eigenleistung des NABU soll dokumentieren, in wie weit nachhaltige extensive Grünlandnutzung
einen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft und der typischen Tier- und Pflanzengemeinschaften leisten kann. Auf Grundlage des Monitorings wird die Beweidung
hinsichtlich der Anzahl und falls erforderlich auch der Artenzusammensetzung der Weidetiere zur Erreichung der Projektziele optimal eingestellt.
Außerdem ist eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen. Durch Exkursionen und Medienarbeit soll verdeutlicht werden,
welchen Stellenwert die extensive Grünlandnutzung als Rückzugsraum für bedrohte Arten, als Wiederausbreitungszelle für Nützlinge in der Kulturlandschaft und als Bestandteil
einer ökologisch intakten Flussaue hat. Weiterhin soll die Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft in einem ansonsten überwiegend
intensiv bewirtschafteten Raum thematisiert werden.
Besondere Eignung der ausgewählten Flächen:
Bei den Flächen handelte es sich um intensiv genutzte Flächen bzw. Ackerland. Das Gebiet liegt im Grünlandschutzprogramm des Landes innerhalb eines
Schwerpunktraumes für die Grünlanderhaltung. Mit dem Projekt werden daher die Zielvorstellungen des Landes Niedersachsen hinsichtlich der Erhaltung und
Entwicklung von Grünland umgesetzt. Der extensiven Grünlandnutzung kommt für den Arten- und Biotopschutz eine besondere Bedeutung zu.
Im Landschaftsrahmenplan des Landkreises Grafschaft Bentheim ist das Projektgebiet aufgrund der Vorkommen von Wiesenvogelpopulationen als
„Gebiet für Maßnahmen des besonderen Artenschutzes ( GbA)“ dargestellt. In dem dort regelmäßig kartierten Wiesenvogelgebiet „Klein- Großringer Wösten“
können die aufgrund der Bundesartenschutzverordnung streng geschützten Arten Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Kiebitz, Bekassine und Austernfischer bestätigt werden.
Die Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim plant den weiteren Flächenerwerb entlang der Grenzaa, um mittelfristig größere Bereiche im Rahmen von Ersatzmaßnahmen
(Eingriffsregelung) zu extensivieren. Die Projektfläche soll hier einen ersten Impuls setzen und als Keimzelle dienen.
Schließlich birgt die Lage an der deutsch-niederländische Grenze die Chance zu einem Austausch mit niederländischen Landwirten und Naturschützern.