Bewirtschaftung der fürstlichen Wälder stößt auf öffentliche Kritik

 

Die Grafschaft Bentheim gehört zu den waldärmeren Landkreisen in Niedersachsen. Umso mehr schätzen und lieben die Bürger die vorhandenen Wälder. Der größte Wald- und Grundeigentümer in der Grafschaft ist der Fürst zu Bentheim und Steinfurt. Das Fürstenhaus hat über Jahrhunderte hinweg den Bestand aus wirtschaftlichen, sicherlich aber auch aus ästhetischen Gründen nachhaltig bewirtschaftet und gepflegt. Das hat zu den wertvollen Waldgebieten geführt, wie sie sich heute im Bentheimer Wald im Allgemeinen und in dem bizarren Reliktwald nahe dem Kurzentrum im Besonderen zeigt.

 

Für diesen Schatz sind die Menschen der Region dankbar. Allerdings beobachten sie auch aufmerksam jede Veränderung. So haben sich in letzter Zeit viele besorgte Bürger bei den Umweltverbänden BUND und NABU gemeldet und um Erklärungen für sehr unterschiedliche Maßnahmen und Eingriffe in den Wald gebeten.

 

Besonders auffällig war der starke Holzeinschlag während der letzten Jahre. Dass es aufgrund von Klimawandel und Schädlingsbefall notwendig war, abgängige Bäume – meist Fichten – auf großen Flächen einzuschlagen, dafür gibt es Verständnis. Doch wurden auch Eichen in einer Menge gefällt wie nie zuvor beobachtet, darunter auch vielfach junge, gesunde Bäume. Dass dies aus Gründen der Verkehrssicherheit nötig sei, leuchtete in vielen Fällen den besorgten Bürgern nicht ein.

 

Entlang von Wegen und Straßen entstanden breite Schneisen. Nahezu alle Gehölze wurden beseitigt. Auffallend waren auch die gründlichen Grabenräumungen in den zurückliegenden Trockenjahren und das Trockenlegen von nassen Mulden, die für den geschützten Wald typisch sind.

 

Den Verbänden fiel auf, dass sich sogenannte Habitatbäume, die als Brut- und Lebensraum für gefährdete Arten wie Eremit (ein seltenes Insekt aus der Familie der Rosenkäfer), Fledermäuse und Spechte weitgehend auf kleiner Fläche westlich des alten Forsthauses konzentrieren. Dabei handelt es sich durchweg um Hainbuchen. Kräftige Eichen, die für die wertvollen Tierarten besonders wichtig sind und die noch einige Jahrzehnte an Lebensdauer vor sich gehabt hätten, sind fast ganz verschwunden.

 

Vor diesem Hintergrund fand kürzlich auf Bitten der Verbände ein Gespräch mit Forstbetriebsleiter Henning Buss und den Vorsitzenden der Kreisgruppen von BUND und NABU, Walter Oppel und Gerhard Busmann, statt. Buss erläuterte die wichtigsten Gründe, die zu dem vermehrten Holzeinschlag führten: Die umfangreichen Pflegemaßnahmen und Baumfällungen an Wanderwegen und Straßen würden im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht durchgeführt, zu denen Waldbesitzer verpflichtet seien. Bei den Nadelhölzern seien es die Trockenheit der letzten Jahre sowie der Schädlingsbefall – besonders bei der Fichte –, die letztlich bundesweit zu einem Überangebot an Holz und damit zu einem ruinösen Preisverfall geführten hätten. Laut Buss ließen sich nur mit Eichenholz, das überwiegend zu Parkett verarbeitet werde, auskömmliche Preise erzielen. Auf die daraus fließenden Einnahmen könne ein wirtschaftlicher Forstbetrieb, wie ihn das fürstliche Haus gewährleistet sehen möchte, nicht verzichten.

 

Der Forstbetriebsleiter betonte, dass über Jahrzehnte im Forstbereich mit Verlusten gearbeitet worden sei. Das könne und wolle man sich nicht mehr leisten. Aus diesem Grund könne er auch für die nächsten Jahre eine weitere Bewirtschaftung in dieser Form nicht ausschließen. Um schwarze Zahlen schreiben zu können, komme man um den weiteren Einschlag von Eichen nicht herum.

 

Die Vertreter von BUND und NABU hörten das mit großer Sorge. Eine solche Wirtschaftsweise könne im Sinne von Natur- und Klimaschutz nicht als nachhaltig bezeichnet werden. Zugleich betonten Oppel und Busmann die Notwendigkeit einer staatlichen Unterstützung der Waldwirtschaft im Interesse der Allgemeinheit. Mit den flächendeckenden katastrophalen Folgen des Klimawandels für die Wälder dürften die Eigentümer nicht allein gelassen werden.

 

Ihren Standpunkt haben die Verbände auch in einem Schreiben an Carl-Ferdinand Erbprinz zu Bentheim und Steinfuhrt zum Ausdruck gebracht und mit der Bitte verknüpft, mit der alten Tradition des fürstlichen Hauses nicht zu brechen und insbesondere den Bentheimer Wald weiterhin nachhaltig zu bewirtschaften.

 

Große Teile dieses Gebiets seien als Fauna-Flora-Habitat (FFH-Gebiet = Europäisches Schutzgebiete für Natur und Landschaft) ausgewiesen worden. Auf eine Forderung der EU hin sei vor wenigen Jahren auch die nationale Unterschutzstellung als Landschaftsschutzgebiet durch den Landkreis Grafschaft Bentheim erfolgt.

 

BUND und NABU bitten darum, das FFH -und Landschaftsschutzgebiet Bentheimer Wald im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Grafschaft Bentheim durch geeignete Maßnahmen zu schützen und weiter zu entwickeln. Beide Naturschutzverbände seien gerne bereit, unterstützend mitzuarbeiten.

 

 

 

 

 

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Naturschutzjugend

NAJU Gruppe Nordhorn

und

NAJU Gruppe Schüttorf

Silas Suntrup

Tel.: 0157 39019112

 

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Über 12 Millionen Vogelbrutpaare weniger in Deutschland

Foto: Silas Suntrup

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Wissenschaftler belegen dramatisches Insektensterben

Wildbiene              Foto: Gerd Butke

27 Jahre wurden Schutzgebiete untersucht – die Ergebnisse sind erschreckend: Mehr als 75 Prozent weniger Biomasse bei Fluginsekten.

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