Zu viel Gülle in der Grafschaft Bentheim

Der Rückgang der Artenvielfalt ist mittlerweile bei vielen Bürgern angekommen. In zahlreichen Gesprächen, Telefonaten und E-Mails teilen besorgte Bürger regelmäßig dem NABU ihre Sorgen über den Artenrückgang mit. Hierfür werden insbesondere Massentierhaltung und Monokulturen verantwortlich gemacht. Gülle ist dabei ein richtiges Reizthema geworden

 

Auch wenn seitens der Landwirtschaft ein technisch funktionierendes Güllemanagement aufgebaut wurde, verbleibt viel Gülle in der Grafschaft Bentheim. Diese führt u.a. dazu, da selbst kleinste Flächen bis an die Grundstücksgrenzen bewirtschaftet werden, nachdem sie vorher mit Gülle gedüngt wurden. Doch gerade kleine Flächen und unbehandelte Randstreifen braucht die Natur zum Schutz und zur Entwicklung von Insekten, Vögel usw.

 

Überschüssige Gülle wird vor Ort entwässert und die eingedickten Mengen anschließend per LKW nach Ostdeutschland gebracht. Dieses zeigt, dass die Grafschaft Bentheim ein Gülleproblem hat. Diese Maßnahme hat jedoch kaum einen Effekt bezüglich der Stickstoffbelastung, da der Stickstoff fast vollständig in der flüssigen Phase enthalten ist, die in unserer Region verbleibt.

 

Vor allem in Bezug auf Stickstoff können unsere Flächen diese Mengen nicht mehr verkraften. Ein großes Problem ist ferner, dass nur ca. 60% - 70% des Stickstoffs überhaupt pflanzenverfügbar ist. Das bedeutet, dass 30% bis 40% des Stickstoffs als Ammoniak (Feinstaubbildner), Lachgas (Klimakiller) bzw. als elementarer Stickstoff in der Luft freigesetzt werden. Dieser verteilt sich weiträumig und belasten u. a. sensible Schutzgebiete und Wälder. Außerdem gelangen große Mengen Ammoniak ins Grundwasser und in die Oberflächengewässer.

 

Unter Androhung eines Zwangsgeldes von 861.000,00€ pro Tag durch die EU muss Deutschland die Düngeverordnung von 2017 erneut novellieren. Die Aufforderung zur Nachbesserung seitens der EU ist nur eine logische Konsequenz für die unzureichenden Regelungen zum Schutz des Grundwassers und der Oberflächengewässer in Deutschland.

 

Um den Grenzwert von 50 mg/l Nitrat im Trinkwasser überhaupt noch einhalten zu können musste der Wasser- und Abwasser-Zweckverband Niedergrafschaft bereits neue Brunnen in relativ unbelasteten Bereichen bauen. Auch in der Obergrafschaft mischt der Trink- und Abwasserverband das Grundwasser aus mehreren Brunnen.

 

In der letzten Sitzung des Planungs- und Umweltausschuss des Landkreises hat Herr Ellermann von der Landwirtschaftskammer Niedersachen berichtet, dass auf mehr als der Hälfte der Fläche des Landkreises der Stickstoffeintrag um 20 % reduziert werden muss. Dieses ist aus Sicht des NABU nur möglich, wenn auch die Tierzahlen reduziert werden. Hier wäre ein guter Ansatz für mehr Tierschutz im Stall. Die Realität sieht jedoch anders aus. Es werden weiterhin Anträge zum Bau neuer Massentierställe gestellt. Leider ist festzustellen, dass seitens des Landkreises Grafschaft Bentheim als Genehmigungsbehörde oftmals keine strengen Prüfkriterien anlegt werden. Mehrfach hat der NABU Grafschaft Bentheim über seine regionale Geschäftsstelle in Meppen zusätzliche Auflagen gefordert.

 

Nach dem Umweltschadensgesetz ist jeder für die Beseitigung der von ihm verursachten Umweltschäden haftbar und zwar selbst dann, wenn er alle gesetzlichen Regelungen eingehalten hat! Die Finanzierung einer flächendeckenden Sanierung des Grundwassers durch die landwirtschaftlichen Verursacher ist nach Auffassung des NABU gar nicht leistbar. Schon jetzt ist erkennbar, dass die Bürger eines Tages für die Beseitigung des Nitrats durch eine Nachbehandlung des Grundwassers in den Wasserwerken bezahlen müssen. Wenn dieser Fall eintritt, sinkt die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber der Landwirtschaft als Verursacher gegen  Null.

 

Das aus den Ställen und bei der Ausbringung landwirtschaftlicher Abfälle freigesetzte Ammoniak bildet in der Atmosphäre Feinstaub. Dieser belastet nicht nur die Gesundheit der Bürger, er wirkt sich auch negativ auf die Natur aus.

 

Trotz aller Probleme sprechen sich viele Politiker immer noch dafür aus, dass sich die landwirtschaftlichen Betriebe entwickeln sollen. Wenn damit auch gemeint sein sollte, dass auch in der Grafschaft Bentheim die Tierhaltung ausgeweitet werden soll, haben sie den Ernst der Lage noch immer nicht erkannt. Sie wären besser beraten, die Rahmenbedingen für eine nachhaltige und umweltschonende Landwirtschaft zu verbessern.

 

Natürlich sind die Landwirte nicht allein für alle Umweltbeeinträchtigungen verantwortlich. Vielmehr leiden die landwirtschaftlichen Betriebe unten den Rahmenbedingungen, welche die Politiker auf Druck der landwirtschaftlichen Interessenvertretungen geschaffen haben. Ihnen wird eine Bewirtschaftungsweise aufgezwungen, die sich immer weniger mit den Zielen des Natur- Umweltschutzes vereinbaren lässt.

 

Der NABU fordert, dass bei der bevorstehenden Neuregelung der EU-Fördermittel ab 2020 der Natur und Umweltschutz besser berücksichtigt wird.

 

Der NABU möchte die Fördersumme nicht kürzen, und den Landwirten etwas wegnehmen, denn wir brauchen die Landwirte auch für einen guten Natur- und Artenschutz. Darum soll deren Arbeit hierfür auch gut bezahlt werden. Leider finden die Interessen der Agrarindustrie zur Zeit zu viel politisches Gehör. Darunter leiden auch die bäuerlich Betriebe.

Artenschwund durch Spritzmittel

Pestizidstudie des NABU belegt Gefährdung für Vögel und Säugetiere

Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft rauben Vögeln und Säugetieren die Nahrungsgrundlage und tragen so zum Artenschwund bei. Zu diesem Ergebnis kommt eine im April 2014 veröffentlichte Studie des NABU im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA).

weitere Informationen siehe hier

Besuch des Ökohofes Hüseman in Hesepe

Termin: Samstag, 29. Juni 2019 15.00 bis ca. 17.00 Uhr

Die nachfolgenden Bilder und Erläuertungen zeigen den Besuch 2015.

„Es ist uns auch ein Anliegen, ein Stück Schöpfung zu bewahren.“

Diese abschließenden Worte von Elke Hüseman fassten sicherlich treffend die Eindrücke und Gedanken zusammen, mit denen viele der zahlreichen Besucher nach einem erlebnisreichen und beeindruckenden Nachmittag den Nachhauseweg antraten.

Groß und Klein, Alt und Jung waren der Einladung des NABU Grafschaft Bentheim gefolgt um sich vor Ort ein Bild über das Schaffen des Ökohofes Hüseman in Hesepe zu machen. Über vierzig Besucher zeugten von dem großen Interesse, das das Thema „Öko-Landbau“ auslöste.

„Boden, Pflanze, Tier und Umwelt als Gesamtsystem, das über Jahre Bestand hat, den Einsatz von hoffremden Betriebsmitteln minimiert und nachhaltig ist.“ Dieses Ziel der ökologischen Landwirtschaft erklärte Everhard Hüseman an den verschiedenen Bereichen des Hofes:

-        die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit durch wechselnde Fruchtfolge

-        Verzicht auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln

-        artgerechte Tierhaltung

-        keine gentechnisch veränderten Futtermittel.

Neben den ausführliche Informationen durch Everhard Hüseman zum Konzept seines Hofes und Antworten auf viele Fragen, gab es „Bio hautnah“ für die vielen Besucher beim Rundgang über den Hof und die Felder und beim Blick in die Ställe:

Die kleinen Kälbchen, das jüngste gerade mal 5 Tage alt, Klee als Stickstoffsammler und Bodenverbesserer, das Dinkelfeld mit Kornblumen und Kamille.

Ein besonderes Vergnügen für die Kinder war die kleine Kartoffelernte. Schnell lernten sie die Bedeutung der Mutterkartoffel kennen, ohne die es keine Tochterkartoffeln gibt. Auch wenn es eine Herausforderung war, eine möglichst große Kartoffelbeute zu ergattern, die Mutterkartoffel wurde verschont.

Ab in den Hühnerstall. Die Diskussion um das Für und Wider von gestutzten Schnäbeln kann Everhard Hüseman nicht nachvollziehen. In der ökologischen Landwirtschaft ist das Schnäbelkürzen schon lange ein Tabu. Die Kinder freuten sich über die fleißigen Hühner und trugen stolz Paletten mit Eiern in den Bioladen, der zum Hof gehört.

Hier im Hofladen (Öffnungszeiten: dienstags + freitags 10.00 bis 13.00 und 15.00 bis 18.30 Uhr) und auf dem Wochenmarkt in Nordhorn (mittwochs und samstags 7.00 bis 12.00 Uhr) bringt Elke Hüseman die hochwertigen Produkte, die mit viel Handarbeit und aufwändig verarbeitet sind, regelmäßig dienstags und  freitags an den Mann. Ergänzt wird das Sortiment durch die Produkte anderer Biobauern, z.B. Wurst vom Bentheimer Schwein und einem umfangreichen Naturkostsortiment.

Elke und Everhard Hüseman überzeugten die Besucher mit ihrem Konzept und ihrer Begeisterung. Da verwundert es nicht, wenn man sie im Internet besucht und auf diese Internetadresse trifft:

www.bio-mit-gesicht.de - (bmg-Nr. 0353431)

 

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Exkursionen und Vorträge:

Naturschutzjugend

NAJU Gruppe Nordhorn

und

NAJU Gruppe Schüttorf

Silas Suntrup

Tel.: 0157 39019112

 

Weitere Informationen zur Jugendarbeit :siehe hier

Über 12 Millionen Vogelbrutpaare weniger in Deutschland

Foto: Silas Suntrup

Weitere Informationen: siehe hier

Wissenschaftler belegen dramatisches Insektensterben

Wildbiene              Foto: Gerd Butke

27 Jahre wurden Schutzgebiete untersucht – die Ergebnisse sind erschreckend: Mehr als 75 Prozent weniger Biomasse bei Fluginsekten.

Weitere Informationen: siehe hier

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